Liebe Ärzte, Zahnärzte, liebe Partner im Gesundheitswesen,

 

hier möchten wir Ihnen eine Seite widmen, die Ihnen den Arbeitsalltag in Sachen Bürokratie/Heilmittel/Heilmittelkatalog und Budget erleichtern und unsere gute und unkomplizierte Zusammenarbeit fördern soll!

Los geht´s, es gibt Neuigkeiten:

 

 

 

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Neu!

 

Ab 1.1.2021 tritt der neue

 

Heilmittelkatalog für Ärzte und

 

Zahnärzte in Kraft!

 

Was ändert sich für Alle?

 

Die wohl prägnanteste Neuerung ist, dass es nur noch ein Verordnungsformular (siehe unten) für alle Fachbereiche (Physiotherapie, Podologie, Ergotherapie, Ernährungstherapie, Logopädie) gibt!

Bedeutet: 1 Formular/Verordnung für Zahnärzte und ein Formular für alle anderen Ärzte.

Jeder Patient startet mit der ersten neuen Verordnung im Jahr 2021 neu, d.h. es ist völlig egal, was zuvor verordnet wurde---> eine Verordnung für Heilmittel aus dem Jahr 2020 zählt also nicht mehr mit!

 

Die bisherige Regelfall-Systematik, d.h. die Erst- und Folgeverordnung sowie die Verordnung außerhalb des Regelfalls, wird durch nur noch einen Verordnungsfall inklusive der orientierenden Behandlungsmenge (bisher Gesamtverordnungsmenge) ersetzt.

Die Verordnungsmenge je Diagnose wird durch die Höchstmenge je Verordnung ersetzt. Das macht es Ihnen, liebe Ärzte, leichter, die Verordnungen korrekt auszustellen und Therapeuten müssen sich zukünftig weniger um Korrekturen ungültiger Verordnungen kümmern.

 

Ohne Regelfall gibt es nun dann auch keine Verordnungen außerhalb des Regelfalls mehr. Die umfangreichen Regelungen diesbezüglich, sowie das Genehmigungsverfahren sind mit dem 1. Januar 2021 ersatzlos gestrichen.

 

Bleibt die Frage, wie Patienten zukünftig versorgt werden, wenn die "orientierende Behandlungsmenge" ausgeschöpft wurde. In diesem Fall gibt es auch weiterhin die Möglichkeit, Heilmittel aus medizinischen Gründen zu verordnen. Diese Begründung muss nun nicht mehr auf der Verordnung angegeben werden, sondern muss nur in der Patientenakte vom Arzt dokumentiert sein.

Dabei darf die Höchstverordnungsmenge je Verordnung (in der Regel 6-10 Einheiten, je nach Diagnosegruppe) auch zukünftig nicht überschritten werden.

Ausnahmen gelten bei langfristigem Heilmittelbedarf und bei besonderen Verordnungsbedarfen.

 

Der Verordnungsfall und die orientierende Behandlungsmenge beziehen sich immer auf den jeweils verordnenden Arzt. Damit ist eindeutig klargestellt: neuer Arzt --> neuer Verordnungsfall!

Ärzte müssen also keine Verordnungsmengen anderer Ärzte berücksichtigen und auch nicht mehr diesbezüglich recherchieren.

 

Der Verordnungsfall wird wie bisher durch die konkrete Diagnose definiert und durch die neue Heilmittel-Richtlinie wie folgt geregelt:

Ein Verordnungsfall umfaßt alle Heilmittelbehandlungen eines Patienten aufgrund derselben Diagnose und derselben Diagnosegruppe nach Heilmittelkatalog unabhängig davon, ob sich die Leitsymptomatik innerhalb eines Verordnungsfalles ändert oder unterschiedliche Heilmittel eingesetzt werden.

 

Das Verordnungsdatum der letzten Heilmittelverordnung ist nun entscheidend dafür, ob ein neuer Verordnungsfall ausgelöst wird oder nicht!

Liegt das letzte Verordnungsdatum länger als 6 Monate zurück, wird ein neuer Verordnungsfall ausgelöst.

Liegt es weniger als 6 Monate zurück, wird der bestehende Verordnungsfall fortgeführt.

In diesem Fall gilt auch die orientierende Behandlungsmengeweiterhin, wobei diese, falls medizinisch erforderlich, auch überschritten werden kann.

 

Siese 6-Monats-Frist soll ausschließlich der Abgrenzung von Verordnungsfällen dienen und die Einordnung des verordnenden Arztes, zu welchem Zeitpunkt er von einem neuen Verordnungsfall und somit von einer neuen orientierenden Behandlungsmenge ausgehen kann, vereinfachen.

 

Mit der Neufassung der Heilmittelrichtlinie wurden auch die Diagnosegruppen zussammengefasst. Die Diagnosegruppen der Physiotherapie wurden von 21 auf 12 Diagnosegruppen reduziert.

 

Zudem wird innerhalb der Diagnosegruppe nicht mehr zwischen kuz-,mittel-und längerfristigem Behandlungsbedarf unterschieden.

Zukünftig muss nur noch zwischen vorrangigem und ergänzendem Heilmittel unterschieden werden, da die optionalen Heilmittel in die vorrangigen Heilmittel integriert wurden.

 

In der Physiotherapie können jetzt bis zu 3 vorrangige Heilmittel gleichzeitig verordnet werden, die dann aber addiert, die Gesamtverordnungsmenge pro Rezept nicht überschreiten darf. Cave!!!(Bsp.3xKG und 3x MT=6 Behandlungen gesamt = orientierende Behandlungsmenge z.B. bei Diagnosegruppe EX erreicht)

 

Die vorrangigen Heilmittel finden Sie im Heilmittelkatalog bei der entsprechenden Diagnosegruppe als Vorschlag zur Auswahl. Es macht daher Sinn, immer einen Heilmittelkatalog in der Praxis zu haben, bestellbar bei INTELLIMED oder buchner. Dort finden Sie dann auch die Besonderheiten bei den anderen Heilmitteln, wie Ergotherapie,Logopädie, Podologie und Ernährungstherapie.

 

Es können jetzt mehrere unterschiedliche Leitsymptomatiken buchstabencodiert (a,b od.c) oder als Klartext auf der Verordnung angegeben werden.

Alternativ ist auch eine patientenindividuelle Leitsymptomatik (X) als Freitext möglich. Gleichzietig wird klargestellt, dass die im Heilmittelkatalog aufgeführten Diagnosen nicht abschließend sind.

Damit entfällt die bisherige Regelung, dass die ausgewählte Leitsymptomatik entscheidet, welche Heilmittel verordnet werden dürfen.

Somit können, unabhängig der vom Arzt gewählten Leitsymptomatik, künftig alle Heilmittel der Diagnosegruppe verordnet werden.

 

Zudem sieht die neue Heilmittelrichtlinie vor, dass Patienten gleichzeitig mit unterschiedlichen Verordnungsfällen behandelt werden können. Dies ist dann der Fall, wenn mehrere voneinander unabhängige Diagnosen derselben oder unterschiedlicher Diagnosegruppen auftreten. Dies kann weitere Verordnungsfälle auslösen, für die jeweils separate Verordnungen auszustellen sind.

 

Bisher wurde bereits die Frequenzempfehlung im Heilmittelkatalog als Mindestwert angegeben.

Zur Klarstellung sind im neuen Heilmittelkatalog die Empfehlungen immer als Frequenzspannen angegeben.

Ein 1-3 Mal pro Woche bspw. ist also möglich und erleichtert dem Therapeuten die Therapieplanung und die Terminvergabe.

 

Der späteste Behandlungsbeginn wird von bisher 14 auf 28 Tage erweitert.

Damit wird die Problematik der oft längeren Wartezeiten bei uns Heilmittelerbringern entschärft (nicht aber der bestehende Fachkräftemangel).

Der Arzt kann auf der Verordnung einen dringenden Behandlungsbedarf (innerhalb von 14 Tagen) kenntlich machen.

 

Doppelbehandlungen können weiterhin verordnet werden, sofern Sie medizinisch notwendig sind. Dies gilt nicht für ergänzende Heilmittel (bei den Zahnärzten).

 

Weiterhin ist ein begründeter Wechsel von der Gruppentherapie in eine Einzeltherapie durch den Therapeuten möglich.

Zukünftig ist auch der Wechsel von einer Einzeltherapie in eine Gruppentherapie möglich, wenn der Arzt und der Versicherte dem zustimmt.

 

Thema: extrabudgetäres Verordnen:

zukünftig gilt für langfristigen Heilmittelbedarf und besonderen Verordnungsbedarf gleichermaßen:

die Frequenz und Verordnungsmenge sind so zu bemessen, dass die Verordnung innerhalb von 12 Wochen abgearbeitet werden kann.

Beim Vorliegen einer entsprechenden Indikation kann der Arzt also sofort eine Verordnung für 12 Wochen ausstellen. Die medizinische Begründung muss nicht mehr auf der Verordnung angegeben werden, es reicht die Dokumentation in der Patientenakte des Arztes.

Wichtiger Hinweis:

Nur mit endstelligem ICD-10 Schlüssel auf der Verordnung, wird die Heilmittelverordnung als extrabudgetär anerkannt!

Regionale Unterschiede in diesem Bereich, finden Sie auf den Internetseiten der jeweiligen KV (angeblich:-))

 

Thema: Blankoverordnung

Mit dem TSVG wurde festgelegt, bis zum 15.10.20 die entsprechenden Voraussetzungen für die Blankoverordnung zu schaffen. Die Indikationen, die dafür in Frage kommen, müssen aber aktuell noch verhandelt werden. Es kommt hier also noch zu einer Verzögerung der praktischen Umsetzung.

Fest steht bereits, dass der Arzt bei der Blankoverordnung auf bestimmte ärztliche Angabenverzichten kann.Dazu gehören die Anzahl der Behandlungseinheiten,die Heilmittelauswahl nach Katalog, ggf. ergänzende Angaben zum Heilmittel, sowie die Therapiefrequenz. Diese Angaben können künftig, soweit keine medizinischen Einwände von Seiten des Arztes bestehen, von uns Heilmittelerbringern selbst festgelegt werden.

Die Gültigkeit der Blankoverordnung umfaßt 16 Wochen und auch diese Verordnung muss innerhalb von 28 Tagen begonnen werden.

Wir rechnen mit der praktischen Umsetzung, aktuell nicht vor März 2021.

 

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Ganz unten sehen Sie jeweils ein Beispiel eines Verordnungsvordrucks:

 

Zuerst das Formular für alle Ärzte (außer Zahnärzte):

 

Leitfaden zur korrekten Ausstellung:

 

Orientierung nach Zahlen:

  1. Personalienfeld
  2. Heilmittel festlegen: z.B. Physiotherapie
  3. Behandlungsrelevante Diagnosen: ICD-10-Code:mind. 1 Code oder 2 (um extrabudgetär zu verordnen) oder Freifeld/Klartext
  4. Diagnosegruppe: zur Diagnose die passende Diagnosegruppe auswählen
  5. Leitsymptomatik (verpflichtend): a) gemäß Heilmittelkatalog oder b)Freitext patientenindividuell
  6. Heilmittel gemäß Katalog: a)vorrangiges Heilmittel , wählbar aus der Diagnosegruppe;bis zu 3 erlaubt;Cave: die Höchstverordnungsmenge je VO wird dann auf die ausgewählten Heilmittel aufgeteilt! b) ergänzendes Heilmittel wählbar aus Katalog, max. 1
  7. Anzahl der Behandlungseinheiten: siehe Katalog
  8. Therapiebericht: Kein X= kein Bericht
  9. Hausbesuch: JaX=Hausbesuch od. nein
  10. Therapiefrequenz:z.B. 1-2x
  11. Dringender Behandlungsbedarf: X od. nicht
  12. ggf. Therapieziele, med.Befunde u. Hinweise:optional
  13. Ik des Leistungserbringers
  14. Datum,Stempel,Unterschrift Arzt
  15. Fertig!

 

 

Verordnungsleitfaden für Zahnärzte gemäß neuem Heilmittelkatalog: passend zu Bild 2 ganz unten:

 

  1. Personalienfeld
  2. Dringender Behandlungsbedarf falls nötig
  3. Hausbesuch ja oder nein
  4. Therapiebericht ja od. nein
  5. Heilmittel nach Maßgabe des Kataloges (siehe Diagnosegruppe)
  6. Physiotherapie: 1 vorrangiges Heilmittel darf verordnet werden und optional 1 ergänzendes Heilmittel (mehr Infos dazu im Katalog)
  7. Sprech-Sprach un Schlucktherapie siehe Katalog
  8. Anzahl pro Woche=Therapiefrequenz
  9. Verordnungsmenge siehe oben+Katalog
  10. Ggf. ergänzendes Heilmittel
  11. Indikationsschlüssel
  12. Diagnose inkl. Leitsymptomatik
  13. ICD-10 Code : muss nicht zwingend ausgefüllt werden.
  14. Weitere Hinweise: z.B. langfristiger Heilmittelbedarf od. Blankoverordnung
  15. IK des Leistungserbringers
  16. Zahnarztstemper u. Unterschrift
  17. Fertig!

 

 

Ich wünsche uns Allen einen guten Start ins neue Jahr und gutes Gelingen mit diesen Neuerungen 2021!!!

E.Koudsi

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